Sie bewegen sich eigenständig durch die Umgebung, und das obwohl ihnen der Zellkern fehlt. Die neu entdeckten, von Astrozyten abgekapselten Partikel wirken fast wie Zombies. Deshalb gab man ihnen den passenden Namen aus „Zombie“ und „Exosom“: Zombosomen.
Forschende um Anna Erlandsson der schwedischen Universität Uppsala berichteten erstmals genauer über diese ungewöhnlichen Strukturen, die sie in ihren Zellkulturen bemerkten. Es handelt sich bei Zombosomen um anukleäre extrazelluläre Vesikel von Astrozyten mit einem Durchmesser von 5 bis 15 Mikrometern, was etwa 20 mal kleiner ist als ihre Parentzellen. Obwohl sie keinen Zellkern und keine DNA besitzen, konnten verschiedene Organelle wie Mitochondrien, Lysosomen und ER, sowie RNA und der Translationsfaktor EIF2 nachgewiesen werden. Die Zombosomen entstehen durch das sogenannte „shedding“ an Astrozyten-Fortsätzen und zeigen daraufhin eigenständige Motilität. Ein auffällig hoher Gehalt an Vimentin (ein Intermediärfilament-Protein) könnte dabei für die Beweglichkeit der Zombosomen sorgen. Ihre Bildung scheint unabhängig von Stressreaktionen und apoptotischen Prozessen zu verlaufen. Zusammen mit der Beobachtung, dass Zombosomen wieder von den Astrozyten aufgenommen werden können, ergibt dies die Hypothese, dass sie als interzelluläre Transportvesikel fungieren. Besonders relevant ist die Entdeckung im möglichen Zusammenhang mit neurodegenerativen Erkrankungen. Die Forschenden wiesen nach, dass in Zellkulturen und Hirnorganoiden α-Synuclein-Aggregate in Zombosomen transportiert werden und somit zur Ausbreitung Parkinson-assoziierter Proteinablagerungen beitragen könnten. Ob Dies aber auch im Tiermodell oder im Mensch stattfindet, ist bisher noch ungeklärt.